Projekttitel:
Einrichtung von Weiterbildungspools in den Liegenschaften des Jobcenters Kiel

Organisation:
Jobcenter Kiel (gE)

Projektleitung:
Frau Birgit Hannemann-Röttgers


Ausgangssituation:
Seit 2007 gibt es im Jobcenter Kiel das Team Jobstart. Es arbeitet eng mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit zusammen, hat jedoch seinen Beratungsschwerpunkt in der bewerberorientierten Vermittlung. Ausgangspunkt für die Vermittlungstätigkeiten sind nicht die Bedürfnisse der Betriebe, sondern die Potentiale und Fähigkeiten der Arbeitsuchenden. Diese werden von den Vermittlungsfachkräften profilt, gecoacht, ihre Chancen und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt ausgelotet und persönliche, passgenaue Weiterbildungsstrategien entwickelt. Dabei nimmt die abschlussorientierte Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) einen besonderen Stellenwert ein. Unterschiedliche Autoren sind sich darüber einig, dass es volkswirtschaftlich nötig ist, bisher unerschlossenes Potential an schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen für die Fachkräftesicherung zu mobilisieren und zu qualifizieren. Darüber hinaus bliebe diese Zielgruppe ohne Weiterbildung chancenlos am Arbeitsmarkt.

Die Auswahl, Aktivierung und Motivation dieses Potentials an Arbeitsuchenden wird zunehmend schwieriger und gelingt nicht immer. Dies gilt vor allem für die FbW. Der Vermittlungs- und Förderprozess konzentriert sich überwiegend auf Arbeitsuchende, die dem Arbeitsmarkt nahe stehen. Insbesondere Personen ohne Berufsabschluss, Alleinerziehende, Aufstockende, Ältere, Migrantinnen und Migranten werden nicht sofort als Potentialtragende eingestuft und der Integrationsprozess beginnt entweder zu niedrigschwellig oder stagniert. Die Integrationsfachkräfte (IFK) nennen als Gründe hierfür mangelnde Motivation, Initiative oder andere Hemmnisse der Arbeitsuchenden. Aber auch fehlende berufskundliche Kenntnisse der IFK, starke Fluktuation der Beschäftigten sowie deren mangelnde Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen von Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung nehmen Einfluss auf den Zugang zu FbW für Arbeitsuchende. Im mittleren Bereich der Profillagen (Förder- und Entwicklungsprofil) wurde im Bereich des Jobcenters Kiel im Juli 2014 ein Potential von 10.210 Personen identifiziert, bei dem die größten Chancen für eine berufliche Weiterbildung gesehen werden. Von diesen potentiellen ca. 10.000 Arbeitsuchenden eignen sich nach einer internen Abfrage Anfang Oktober 2014 fast 5.000 Personen für eine Teilnahme an der abschlussorientierten und hochwertigen Maßnahme FbW. Stellt man dieses Potential von 5.000 Personen den durchschnittlichen Eintritten der vergangenen Jahre gegenüber, ergibt sich bisher nur eine Aktivierung zur FbW von 14,8%.

Projektziele:
Arbeitsuchende der mittleren Profillagen werden mit einem offensiven Marketing in den Liegenschaften des Jobcenters über qualifizierende Fortbildungsmöglichkeiten informiert, für die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung interessiert und motiviert. Innerhalb der Projektlaufzeit wurden diese „Weiterbildungspools“ (digitale Bilderrahmen) in den Liegenschaften eingerichtet. Die ständige Präsentation von allen Möglichkeiten der Weiterbildung vor Ort in den Standorten des Jobcenters bietet den direkten Zugang zu potentiellen Weiterbildungsteilnehmenden. Frei nach dem Goethe-Sprichwort „Man sieht nur, was man weiß“ heißt es hier: „Man weiß nur, was man sieht“. Die Arbeitsuchenden sollen sich selbständig bei den Angeboten umschauen, neugierig werden und über die Integrationsfachkraft (IFK), per Internet oder eine Hotline informieren. Die Arbeitsuchenden tauchen bildlich in den Pool ein und die Bandbreite der Möglichkeiten eröffnet ihnen eine neue Sicht auf ihre Talente und Stärken. Der offene Zugang zu Weiterbildungsangeboten soll Schwellenängste abbauen und verdeutlichen, dass der Bezug von Grundsicherungsleistung nicht das Ende aller Hoffnungen bedeutet.

Die Ergebnisse dieses Projekts werden an einem Messestand vorgestellt.

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